The Cure – Disintegration op vinyl

The Cure – Disintegration | Die Schönheit dessen, was vergeht

Manche Platten legt man auf, um für einen Moment alles zu vergessen. Andere führen einen mitten hinein in die eigenen Gefühle. Disintegration von The Cure gehört zur zweiten Sorte.

Wenn Plainsong beginnt, drängt sich kein Refrain in den Vordergrund. Stattdessen baut sich langsam eine Klangwelle auf. Synthesizer schimmern wie Licht auf nassem Asphalt. Das Schlagzeug lässt der Musik Raum zum Atmen. Dann setzt Robert Smiths Stimme ein: zerbrechlich, groß und sofort unverkennbar.

Dunkel, aber nie ohne Wärme

1989 wandten sich The Cure nach einer Reihe zugänglicherer Popsongs bewusst wieder einem dunkleren Klang zu. Entstanden ist jedoch kein kühles Album, sondern eines voller Gefühl. Pictures of You verweilt minutenlang in Erinnerungen. Lovesong zeigt, wie schlicht und ehrlich ein Liebeslied sein kann. Und Lullaby macht aus einer fast geflüsterten Melodie etwas zugleich Unheimliches und Unwiderstehliches.

Genau diese Gegensätze machen Disintegration so besonders. Unter der Melancholie steckt Bewegung, hinter den weiten Klangflächen etwas zutiefst Menschliches.

Ein Album für den ganzen Abend

Diese Musik braucht Zeit – und hat sie verdient. Vom ersten Ton von Plainsong bis zum leisen Schluss fühlt sich Disintegration wie eine lange Nacht an, in der immer wieder ein anderes Licht aufscheint.

Auf Vinyl wird das Hören zu einem kleinen Ritual: die Hülle aus dem Regal nehmen, die Nadel aufsetzen und den Rest der Welt kurz vergessen. Manche Alben werden alt. Andere finden immer wieder zu uns zurück.

Auf Spotify anhören

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